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Projekt Schwarzspecht

Grauspecht (Picus canus jessoensis), Buntspecht (Picoides major), Schwarzspecht (Dryocopus martius)

Grauspecht (Picus canus jessoensis), Buntspecht (Picoides major), Schwarzspecht (Dryocopus martius)

Wenn sich die Blütenknospen öffnen, grüne Blätter sprießen und uns die Sonne wieder verwöhnt, dann singt und zwitschert es rings um uns herum. Und man hört die Zimmerleute des Waldes wieder ihre Höhlen in die Bäume schlagen. Die Spechte bereiten sich auf ihre Brut vor. Drei heimische Spechtarten sind oben zu sehen. Der Grauspechthahn am Astloch mit versteckten Leckereien, eine Buntspechthenne im morgentlichen Sonnenlicht auf der Suche nach Nahrung und ein Schwarzspechthahn am frisch geschlagenen Loch seiner Bruthöhle. Wer auf seinem Waldspaziergang Ohren und Augen offen hält, der wird sie entdecken, die Zimmerleute des Waldes.

Rote Kappe, schwarzer Mantel

Einer der schönsten einheimische Spechte ist für mich der Schwarzspecht. Durch meine lieben Fotofreunde Joachim und Thomas habe ich dieses Jahr das Glück, ein Paar Schwarzspechte an ihrer Höhle fotografieren zu können. Aktuell stehen wir noch ganz am Anfang dieser Spechtsaison und hoffen natürlich auf schöne Bilder. An der Entwicklung unseres Projektes "Schwarzspecht" will ich Sie hier teilhaben lassen. Schauen Sie ruhig hin und wieder rein.

Geschlechtsspezifika der Hauptdarsteller Frau und Herr Specht
Geschlechtsspezifika der Hauptdarsteller Frau und Herr Specht

Buchen - Das Haus des SpechtesHome, sweet home

Schwarzspechte (Dryocopus martius) gehören mit ihren gut krähengroßen Körpermaßen nicht gerade zu den Winzlingen und benötigen daher einen Baumbestand mit entsprechend hohem Stammumfang, um ihre Höhlen zu schlagen. Ihr  bevorzugter Lebensraum beinhaltet also Altholz-bestände wie 80 bis 100-jährige Buchen.  Weisen diese mindestens 4 bis 10 Meter astfreie und mit über 35 cm entsprechend starke Stämme auf, dann baut er hier seine Brut- und Schlafhöhlen.

Die Höhle hatten wir also auf Grund eines Hinweises ausgemacht und und einige Male waren wir vor Ort. Wir haben jedoch beschlossen, die Schwarzen Rotkappen nunmehr eine Weile Ruhe zu gönnen. Sie sollten ohne Störungen mit ihrer Brut beginnen. Wir wollten schließlich am Nachwuchs teilhaben. Dies bedeutet sich in Enthaltsamkeit zu üben. Weniger ist oft mehr, insbesondere wenn es um Besuche von brütenden Vögeln geht.

Unser großes Ziel ist ein Bild von der Futterübergabe eines Altvogels an die aus der Höhle schauenden Nachwuchsstars. Zudem bringt die fortschreitende Jahreszeit noch etwas positives mit sich. Der auf dem nebenstehenden Bild sehr helle Hintergrund, sollte durch das wachsende Laub grün werden. Sich in Geduld zu üben, hat also durchaus mehrere Gründe. Ob wir dafür belohnt werden? Stand heute kann das niemand mit Sicherheit beantworten. Die Zeit wird es zeigen.

Bruthabitat des Schwarzspechtes
Bruthabitat des Schwarzspechtes

Schwarzspecht Hahn - 700mm, ISO 2.000, f/5.6, 1/500sErnährung

Schwarzspechte ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Folgt man der einschlägigen Literatur und den diversen Berichten im Internet, so bilden Ameisen durchaus einen Hauptbestandteil der Nahrung. Dies richtet sich jedoch auch stark nach dem Angebot. Die Nahrung nimmt er dabei sowohl direkt vom Boden auf, als auch durch das herausholen der Insekten aus der Baumrinde. Diese wird dabei regeltrecht perforiert und geht bis hin zum Zerlegen von morschen Bäumen. Sein kräftiger Schnabel leistet ihm dabei gute Dienste.

Wir konnten die Spechte noch nicht wirklich bei der Nahrungssuche beobachten, abgesehen von einigen wenigen Klopfeinlagen an den im Bereich der Bruthöhle stehenden Bäumen. Obwohl mehr als genug krabbelndes Volk um uns herum war, schien dies aus Sicht der Spechte nicht der geeignete Ort für die Nahrungssuche zu sein. Direkt neben dem kleinen Wäldchen liegt ein Holzstoss aus gefällten Bäumen und zerkleinerten Kronen. Hoch aufgetürmt auf gut 2,5m, bietet er reichlich Betätigungsfeld für Insekten und Kleinvögel. Die Spechte läßt das kalt. Vielleicht ändert sich das Verhalten im Rahmen der Fütterungen des Nachwuchses. Dies bleibt abzuwarten.

Ein Bild von der Jagd nach Ameisen wäre noch eines von vielen offenen Wunschmotiven. Auch hier ist Geduld gefragt.

 

Brutablösung bei den Schwarzen
Der Hahn kommt zur Höhle um die Henne bei der Brut abzulösen

Schwarzspecht - HahnDie Brut beginnt

Es ist Ostern und das Wetter ist hochsommerlich. Sonne und Temperaturen deutlich über 20°C haben die Pflanzen um uns herum förmlich explodieren lassen. Auch die Bäume in unserem kleinen Spechtwald tragen immer mehr Blätter. Das grüne Dach schließt sich und liefert schöne Farben. Herr und Frau Specht haben zueinander gefunden, sie hat seine  Höhle angenommen und versteckt vor unseren Blicken vollzogen sie den Liebesakt. Seit nunmehr einer guten Woche wird gebrütet. Alle paar Stunden wechselt man sich mit der Brut ab. Die Nächte verbringt der Hahn auf dem Gelege.

Wir haben uns auf abendlichen Brutwechsel eingestellt und versuchen nun immer wieder einmal ein Bild zu machen. Um die Spechte nicht zu sehr zu stören, lassen wir zwischen den Besuchen immer wieder einige Tage ins Land gehen. Der Erfolg der Brut steht an erster Stelle, unsere Bilder dürfen wir als Geschenk betrachten. Wir sollten uns also entsprechend verhalten.

Nach gut 12 - 14 Tagen sollten die jungen Spechte schlüpfen. Nach weiteren ~ 17 Tagen ist mit ihrem ersten Erscheinen an der Bruthöhle zu rechnen, in Summe kann die Nestlingszeit zwischen 25 und 31 Tagen variieren. Weitere 4 bis 5 Wochen kann dann die Fütterungszeit andauern. Die oft in zwei Teilen umherfliegenden Familienverbände werden wir ebenfalls versuchen zu beobachten. Wie lange dies im Umfeld der Bruthöhle geschehen wird, werden wir sehen.

Frau Schwarzspecht - Sie hat die kleinere rote Kappe
Frau Schwarzspecht - Sie hat die kleinere rote Kappe

Kommunikation

Spechte fallen den meisten Menschen eigentlich nur durch ihr Hämmern auf. Dann werden die Bäume mit den Augen abgesucht und manchmal wird der Verursacher auch entdeckt. Meist handelt es sich dann um einen Buntspecht, die wohl bekannteste und am wenigsten scheue Art unserer heimischen Spechte. Sie sind auch am ehesten an den Winterfütterungen zu sehen. Doch das allseits bekannte Geräusch des Hämmerns ist nicht die einzige Kommunikation, mit welcher diese Vögel sich verständigen. Und selbst an den Geschwindigkeiten des klopf, klopf, klop, lassen sich Spechtarten durchaus unterscheiden.

Zurück aber  zu unseren schwarzen Gesellen. Schwarzspechte äussern sich verschiedenartig, am ehesten nimmt man noch den Ruf wahr, mit welchem sich der Vogel beim Anflug ankündigt. Wir konnten beobachten, dass sich der Hahn bei der Rückkehr zur Bruthöhle nach einigen Tagen Brut nicht mehr lautstark ankündigte. Dieser Komfort viel für uns Fotografen nunmehr weg. Still und leise flog er die Umgebung des Brutbaumes an. Dank seiner Größe konnten wir ihn jedoch immer gut ausmachen. Ob der ruhige Anflug Methode ist oder eher durch die aktuelle "Gemütslage" bestimmt wird, werden wir im Laufe der weiteren Beobachtungen sicher feststellen können.

Schwarzspecht - Trommeln, Verschiedene Gesänge und Rufe eines Männchens
Die Vögel Mitteleuropas und Ihre Stimmen aus dem Kosmos Verlag

Verschlusszeitenproblem oder der schwarze Blitz
Verschlusszeitenproblem oder der schwarze Blitz
Vegetation ändert sich, mit jedem neuen Tag
Vegetation ändert sich, mit jedem neuen Tag

Das Grün, das Licht und die Herausforderung

Einige Tage nun schon beobachten Thomas und ich die Spechte. Mit fortschreitendem Frühling verändert sich die Vegetation. Die Blätter werden größer, in saftigen Grün Präsentieren sich die Bäume und Sträucher. Was einerseits für schöne  Farben sorgt, stellt andererseits Fotograf und Kamera vor neue Herausforderungen. Entweder nimmt das Laub das notwendige Licht, um auf die richtigen Verschlusszeiten zu kommen, oder der Wind drückt die nun teils tiefer hängenden dünnen Astspitzen in das Blickfeld zwischen Bruthöhle und Kamera. Die von uns gewünschten Anflugbilder sind nur sehr schwer zu realisieren, selbst mit den heutigen Möglichkeiten der Technik. Aber wir bleiben am Ball.

Mittlerweile müssen die jungen Spechte in der Höhle sitzen. Beide Altvögel sind fast ständig unterwegs und kommen nur zur Fütterung und zum Abtransport der Kotballen an die Höhle. Dabei begegnen Sie sich so gut wie überhaupt nicht mehr. Die Abwesenheitsspannen der Altvögel variieren zwischen ~ 60 und ~ 120 Minuten. Da die frisch geschlüpften Spechte völlig hilflos und noch sehr klein sind, wird das Futter wohl durch die Altvögel herausgewürgt. Bis dato konnten wir jedenfalls keinerlei Futtertransport im Schnabel beobachten.

Anflugstudie - so langsam kommt es dem Zielbild näher
Anflugstudie - so langsam kommt es dem Zielbild näher

Das Brutgeschehen festgehalten

Jeder Naturfotograf kennt die größte, benötigte Tugend für diese Art der Fotografie - Ausdauer! Viel Zeit also muss investiert werden, will man bestimmte Verhaltensweisen im Bild festhalten und dabei etwas über sein Motiv lernen. Die Schwarzspechte forderten diese Tugend von uns ein. Zumindest, wenn es darum ging, die Anflüge an der Bruthöhle dokumentieren zu wollen. Während der Zeiten vor Ort habe ich mir immer wieder notiert, was um mich herum geschah und was mir besonderes aufgefallen war. Dies in Kombination mit den Aufnahmezeiten aus den Bilddaten ergab nach und nach eine kleine Dokumentation. Insbesondere die Zeitspannen, in welchen die Altvögel auf Nahrungssuche waren, konnten wir daraus gut ablesen. Ebenfalls notiert haben wir ob die Altvögel sichtbar Futter trugen und ob sie beim Abflug Kotballen mit sich führten. Nebenbei noch das Wetter notiert und schon hatten wir eine kleine Übersicht, welche uns im kommenden Jahr vielleicht nützlich sein konnte. Nachstehend ein kleiner Ausschnitt daraus.
Beobachtungen notieren - nicht nur ein Hilfsmittel für Naturschützer
Beobachtungen notieren - nicht nur ein Hilfsmittel für Naturschützer
Wachablösung - Sie verläßt die Höhle
Fütterungszeit - Sie verläßt die Höhle

Hygiene muss seinFliegende Müllabfuhr

Mit fortschreitender Aufzucht der Jungspechte und deren Entwicklung steigt natürlich auch die Produktion an "Endprodukten". Die heranwachsenden Nachwuchsspechte benötigen immer mehr Platz in der Bruthöhle und die Kotballen würden die Erkrankung fördern, sofern sie in der Höhle verblieben. Folgerichtig nahm auch der Abtransport von Kotballen zu. Und was dort aus dem Heim des Nachwuchses geschafft wurde, war nicht gerade wenig. Konnten wir in den ersten Tagen nur unregelmäßige Kotballentransporte beobachten, so nahmen sie mit der Zeit zu und standen bald bei fast jeder Fütterung auf der Tagesordnung.

Nebenstehendes Bild zeigt den Hahn kurz vor dem Abflug. Mit samt den Produkten, welche in der Höhle nicht zu suchen haben, sichert er kurz vor dem Absprung nochmals die Umgebung um dann schnell wieder Richtung Nahrungssuche zu verschwinden.

Insgesamt muss man festhalten, dass die Dame des Hauses durch längere Abwesenheiten glänzt und der Herr richtig gehend ackert. Nun, vielleicht ist das der gerechte Ausgleich fürs Eierlegen ;-)

Der Hahn sieht auf manchen Bildern schon recht mitgenommen aus. Wir können gar nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich um echte Verletzungen, Parasiten oder einfach normale Begleiterscheinungen handelt.

Müllabfuhr - Abtransport der Kotballen
Müllabfuhr - Abtransport der Kotballen

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!

Wie schon mehrfach geschrieben, konnten wir bis heute (15. Mai 2011) keine Transporte von Futter im Schnabel beobachten. Mittlerweile jedoch sind die jungen Spechte in ihrer Höhle ein gutes Stück gewachsen. Zumindest konnten wir bereits den ersten Schnabel am inneren Teil des Hölhleneingangs auf unseren Bildern ausmachen. Dies führt nun dazu, dass die Altvögel aussen am Stamm hängend und den Kopf in das Höhleninnerre steckend, das Futter übergeben. Dabei konnten wir beobachten, wie Futter nach oben gewürgt und in den Schnabel gedrückt wird, dann bekommen die Jungvögel die Nahrung. Um was es sich dabei genau handelt, müsen wir noch klären. Wir können dies ohne fachmännische Bestimmung anhand der Bilder nicht sagen.

Abflug im letzten Abendlicht
Abflug im letzten Abendlicht
Mehr Augen! Diese Insektenart fand mein Stativ und mein Objektiv als Sitzwarte sehr reizvoll
Mehr Augen! Diese Insektenart fand mein Stativ und mein Objektiv als Sitzwarte sehr reizvoll

Des einen Leid, des anderen FreudBrüderchen und Schwesterchen

Alle Berufstätigen wissen, Naturfotografie braucht Zeit, viel zu viel Zeit. Und wir Amateure können diese nur bedingt aufbringen. Da kann es noch so Schmerzen die wunderbare Abendsonnen unter gehen zu sehen, wenn der Job den Takt vorgibt, dann muss man sich dem fügen. Schließlich wollen Leben und nicht zuletzt Hobby finanziert sein. So konnten wir nur mit Pausen die Spechte vor Ort beobachten. Das Wetter meinte es insgesamt mehr als Gut mit uns, die Sonne gab regelmäßig ihr Bestes. Gleiches gilt für die Spechte. Immer und immer wieder flogen Sie die Höhle mit Futter an. Irgendwann fingen wir an, immer wieder den Termin für das Erscheinen der Jungspechte im Höhleneingang zu berechnen. Meinen Beobachtungen zu Folge, verließen erstmals am 25. April beide Altvögel die Höhle um Futter für den Nachwuchs heran zu schaffen. Das scheint jedoch in der Nachbetrachtung eher eine Ausnahmesituation gewesen zu sein. Eher verläßlich ist in diesem Fall die Beobachtung von Thomas, welche den entsprechenden Zeitpunkt auf den 05. Mai datiert. Mit den bekannten 17 Tagen, welche es dauert bis die Nestlinge am Höhleneingang erscheinen, kommen wir also auf den 22. Mai 2011. Ein für Thomas undankbarer Zeitpunkt, wo er doch gerade dann im Burgenland auf Fototour ist. An unserem letzten gemeinsam Beobachtungstag, den  14. Mai, konnten wir zumindest kleine, helle Schnäbel am inneren Bereich des Höhleneingang beobachten. Während ich nun bis zum 22. Mai in Rom Urlaub machte und Thomas sich im Burgenland auf Motivjagd begab, entwickelten sich die Spechte prächtig. Am 23. Mai bin ich dann abends wieder zu "unseren" Schwarzen gefahren und siehe da, die Kleinen ließen sich im Eingang der Bruthöhle blicken. Natürlich machte ich Bilder und freute mich einerseits über mein Glück. Mit etwas Wehmut dachte ich an Thomas, welcher sich eben diese Szene so sehr gewünscht hatte.

Schwarzspechthenne und ihre Tochter
Schwarzspechthenne und ihre "Tochter"
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