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Das Holzstativ

 

 

 

Holz? - Ja, Holz?

„Ist das nicht viel zu schwer?“, „Warum tust Du dir das nur an?“, „Nimm doch lieber eines aus Carbon.“. So oder so ähnlich wird sie der Besitzer eines Holzstatives wohl schon gehört haben. Die gut gemeinten Ratschläge der Fotokollegen.  Aber warum schwören doch noch immer so viele Fotografen auf Stative aus Holz?

In der Ruhe liegt die Kraft

Stative aus Holz zeichnen sich durch ein sehr gutes Schwingungsverhalten aus.  Dies ist nun wirklich nichts Neues und im Grunde versuchen die Hersteller von Stativen aus Basalt und Carbon genau eben dieses gute Schwingungsverhalten mit ihren Hightech-Materialien ebenfalls zu erreichen.    

Warum nun ist das Schwingungsverhalten von Stativen so immens wichtig? Nun, Sie alle, liebe Leser und Leserinnen, wissen um die Herausforderungen, welche sich durch die aktuell unglaublich hoch auflösenden Sensoren der digitalen Spiegelreflexkameras ergeben. Die Flächen der Sensoren haben sich nicht erhöht. Im Gegenteil, wer mit APS-H oder APS-C Sensoren arbeitet, hat noch weniger Fläche bei steigender Pixelzahl zur Verfügung. Die Microlinsen, welche das Licht am Ende auf die Sensorfläche bringen, werden immer kleiner. Mit diesem Trend steigen die Anforderungen an die Verschlusszeiten, denn die Gefahr, Unschärfen durch leichtestes Verwackeln im Bildergebnis zu sehen, wird ebenfalls immer größer.  Bedeutet also, macht man ein Foto mit 500 mm effektiver Brennweite an  einem Kameramodell mit APS-C Sensor, benötigt man für ein sauberes Bildergebnis eine kürzere Verschlusszeit als an einem Body mit Vollformat Sensor. Und ein Ende des Pixelrennens ist derzeit nicht absehbar!    

Neben den vorgenannten Verschlusszeiten wirken weitere Rahmenbedingungen auf das Bildergebnis. Dazu zählen ein stabiler, mit ausreichend Tragkraft und seine Position verlässlich haltender Stativkopf, sowie ein entsprechend gutes Stativ.  Damit sind wir auch schon beim Thema dieses Artikels angelangt und können uns nun den Standbeinen eines guten Fotos widmen - dem Stativ.

Der Fels in der Brandung

Mini, REPORT und UNI, so lauten die Bezeichnungen der Fotostative der Firma Berlebach, welche seit 1898 mit Unterbrechungen, Stative aus Holz herstellt und vertreibt. Mein erstes Holzstativ war ein REPORT 8013 und hat mir stillschweigend stets gute Dienste erwiesen.    

Dann kam eine Zeit, in der ich mich erst Basalt und dann Carbon als Material für Stative zuwendete. Von der Leichtigkeit, gepaart mit Stabilität war ich begeistert. Trotz allem zog es mich in meinen Gedanken immer wieder zum guten alten Holzstativ hin. Die bekannten Stative von Gitzo aus Carbon sind eine Klasse für sich, keine Frage. Gleiches gilt für die Preise. Aber einmal ganz abgesehen davon, gibt es durchaus Punkte, welche für ein solides Holzstativ sprechen. Insbesondere nach den Einsätzen des Statives im Wasser - und wenn ich im Wasser schreibe, dann meine ich im Wasser - hatte ich immer wieder Probleme mit den Drehverschlüssen, welche sich durch Sand und Schmutz kaum mehr betätigen ließen. Darüber hinaus sind Hohlräume immer eine ganz wunderbare Sache, wenn Wasser sich einen neuen Aufenthaltsort sucht. Die Beine der Stative boten sich da natürlich an. Regelmäßiges auseinander nehmen und reinigen in der Badewanne waren ein netter Zeitvertreib. Also war es klar, ein neues Stativ musste her. Die Anforderungen lasen sich wie folgt: Solide Verarbeitung, nur ein Auszug, Nivelliereinheit und eine Höhe, passend zu meinem Astralkörper. Meine Wahl viel auf das UNI 22. Das Datenblatt sagt:    

- Gewicht: 6,40 kg
- Transportlänge: 105 cm
- Minimalhöhe: 17 cm
- Maximalhöhe: 161 cm
- Belastbarkeit: 30,00 kg
- Schwingungsdämpfung: extrem gut .

Während des fotorum Festival in Münster holte ich mir das Stativ einschließlich Nivelliereinheit am Stand von Berlebach ab. Auf dem Weg zum Auto merkte ich dann sofort, auf was ich mich da eingelassen habe. Das UNI 22 ist ein echtes Monster! Es ist grundsolide, sehr stabil und SCHWER! Im Oktober 2009 dann hatte es seinen ersten größeren Einsatz. An der Bodden- und Ostseeküste durfte es unter den verschiedensten Wetterbedingungen zeigen, ob es sein Geld wert war. Vorab kann ich sagen, JA, der Kauf hat sich gelohnt! Es trotzte auch stärkeren Windböen, eine Situation, in welcher ich gerne ein gutes Gefühl habe, wenn Kamera und Objektiv auf dem Stativ sind.

Bedienbarkeit

Mit seiner Transportlänge von 105 cm und einem Gewicht von 6,4 kg ist das Dreibein nicht gerade ein Leichtgewicht. In aller Regel transportiere ich das gute Stück auf der Schulter. Hat man einmal den Zielort erreicht, geht es an den Aufbau. Direkt am Schenkelkopf befinden sich an jedem Bein je ein Griff, welcher als Hebel geformt dazu dient, die Beine zu lösen oder fest zu stellen. Das UNI 22 besitzt keine Anschläge um die Beine in vorgegebenen Winkel anzustellen. Für manch einen ist dies ein Nachteil, für mich nicht. Alternativ kann man das UNI 22 C wählen, dieses bietet dann diesen Komfort. Über angesprochenen Hebel sind die Beine sehr schnell gelöst, das Stativ kann aufgestellt und die Beine wieder festgezogen werden. Um den Auszug zu lösen, sind gut dimensionierte Plastikschrauben angebracht. Diese lassen sich auch in der kalten Jahreszeit mit nicht gar so dicken Handschuhen gut betätigen. 

Große Skalen an den Beinen helfen dem Fotografen dabei, die optimale Höhe (Auszuglänge) schnell zu finden. An den Füßen befinden sich Metallgewinde. Auf diesen hat Berlebach Hartgummifüsse angebracht. Sie bieten guten Halt, auch auf glattem Untergrund. Für den Einsatz im Gelände schraubt man, wie im Bild oben auf dieser Seite gut zu erkennen, diese Füße einfach ein Stück weit nach oben oder gar ganz ab und nutzt die so freigelegten Gewindestangen einfach als Spikes.    
Das Berlebach UNI 22 bietet mit seinen Füßen auf allen Untergründen guten Halt.
Das Berlebach UNI 22 bietet mit seinen Füßen auf allen Untergründen guten Halt.
Für das Arbeiten im Wasser befindet sich am UNI 22 eine Libelle. Allerdings ist das Ausrichten eines Dreibeins nicht immer so schnell gemacht, wie es die Situation vor Ort erfordert. Ich war daher froh, mir zu dem Stativ auch eine passende Nivelliereinheit geordert zu haben. So wird das UNI nur grob ausgerichtet und die Feinjustage erfolgt mittels Nivelliereinheit. Gerade wenn man viel mit einem Gimbal Head fotografiert, bei mir ist es der Benro GH 2 (siehe auch NFN Magazin 01/2009), will im Nachhinein nicht alle Bilder am heimischen PC gerade rücken müssen.

Die Nivelliereinheit jedenfalls mag ich nicht mehr missen. Gleiches gilt für das UNI 22, welches ich fast ausschließlich im Bereich der Naturfotografie im Einsatz habe.
Sowohl Stativ als auch Nivelliereinheit bieten eine Libelle für die einfache Ausrichtung in Waage.
Sowohl Stativ als auch Nivelliereinheit bieten eine Libelle für die einfache Ausrichtung in Waage.

Arbeiten am Boden

Nun habe ich Ihnen das UNI 22 näher gebracht, ein wahres Monsterstativ im Vergleich zu der Empfehlung, die nun folgt. Einen ersten Eindruck können Sie auf der gegenüberliegenden Seite gewinnen. Ein Größenvergleich mit Aussagekraft. 
David und Goliath
David und Goliath
Viele ansprechende Bilder entstehen auf Augenhöhe der fotografierten Motive. Oftmals bedeutet dies, der Fotograf muss sich auf dem Boden legen. Nun heißt es Objektiv und Kamera gut halten, ausrichten und Bilder machen. Sehr oft kommt hier der Bohnensack zum Einsatz. Das war bei mir nicht anders. Gerade in Situationen, in welchen das Motiv sich hin und her bewegt oder schnell ein anderer Ausschnitt gewählt werden soll, hatte ich jedoch so meine lieben Probleme mit dem Sack. Stellen Sie sich vor, Sie liegen auf dem Boden, das 500er mit Kamera haben Sie vor sich und es liegt auf dem Bohnensack auf. Der Habentaucher vor Ihnen verändert seine Position oder schwimmt langsam aus dem Bild. Sie müssen nun „mitgehen“. Mir passierte es dann immer wieder, dass der Ring zur Scharfstellung vom Bohnensack „bedient“ wurde und damit ungewollt manuell in die Scharfstellung eingriff.    

Das ist besonders ärgerlich, wenn dadurch wertvolle Momente nicht im Bild festgehalten werden können. Aber wie konnte ich das ändern? Eine Lösung musste her, so konnte es nicht weiter gehen. Bei meinem guten Fotofreund Thomas Weber (www.natur-focus.de) konnte ich dann eine Alternative zum Bohnensack sehen und sofort war mir klar: Das will ich auch haben!
Berlebach Ministativ - der Winzling
Berlebach Ministativ - der Winzling

Der Winzling

Für die oben genannten Einsatzzwecke bietet sich das Berlebach  Ministativ mit Nivelliereinheit an.  
Schauen wir kurz auf die Daten:

-Gewicht: 0,90 kg
- Transportlänge: 29 cm
- Minimalhöhe: 10 cm
- Maximalhöhe: 38 cm
- Belastbarkeit: 8,00 kg
- Schwingungsdämpfung: sehr gut.

Für meinen Gebrauch habe ich auf die im Stativ fest integrierte Nivelliereinheit ein Kirk Wechselsystem aufgeschraubt. In Verbindung mit dem entsprechenden Fuß von Kirk unter meinem Canon EF 500 4.0 L IS USM ist so ein schneller Wechsel auf bodennahes Arbeiten möglich. Dieses leichte und trotz dessen sehr stabile kleine Stativ ist eine wirkliche Arbeitserleichterung. Die bis zu 25° mögliche Ausrichtung der Nivelliereinheit sollte in den meisten Fällen reichen. Zum Lösen und Feststellen der Einheit dient ein kleiner Hebel, welcher einfach betätigt werden kann. Dies funktionierte bei mir  auch während des Einsatzes gut.
Die Nivelliereinheit (hier mit aufgesetzten Kirk-Wechselsystem) ist sehr hilfreich bei der Ausrichtung.
Die Nivelliereinheit (hier mit aufgesetzten Kirk-Wechselsystem) ist sehr hilfreich bei der Ausrichtung.
Über den Auszug können die Beine auf maximale Länge gebracht werden. Die mit Gummi beschichteten Füße geben guten Halt auf dem Untergrund. Über ein von Berlebach patentiertes Schiebesystem lassen sich die Stativbeine in Anschläge von 25°, 50° und 85° bringen.
Über das Schiebesegment kann das Bein in die verschiedenen Anschläge gebracht werden.
Über das Schiebesegment kann das Bein in die verschiedenen Anschläge gebracht werden.
Wenn ich auch sehr zufrieden mit diesem Stativ bin, so ist doch klar, dass die integrierte Nivelliereinheit in dieser Größe und Form mit einer aus den großen Stativen nicht mithalten kann. Insbesondere bei der Belastung muss man aufpassen, dem Zwerg nicht zu viel zumuten zu wollen. Ein Fotofreund berichtete mir von seinen nicht so guten Erfahrungen damit. Die Nivelliereinheit ließ sich bei ihm nicht wirklich feststellen und die Kamera-Objektiv-Kombi lief immer wieder aus dem voreingestellten Bild. Bis dato konnte ich das bei mir nicht beobachten, im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung sollte dies jedoch an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Holz über Alles?

Ganz sicher nicht! Meine Erfahrungen mit den vorgestellten Holzstativen sind ausnahmslos gut. Ich würde sie wieder kaufen. Ich will nicht verschweigen, dass auch ich nebenher Carbonstative nutze. Diese sind allerdings kaum noch im Einsatz und werden vor allem für Abendaufnahmen bei Städtetouren oder auf längeren Fotowandertouren eingesetzt.    

Gerade und vor allem wenn es um das Gewicht geht, sind Holzstative am Ende der Toplist. Für Flugreisen, Wandertouren, Fotoexkursionen in die Berge will jedes Gramm wohl überlegt sein. Da sind die Hightechmaterialien ganz klar im Vorteil.    

Sofern man aber kurze Wege mit dem Mehr an Kilos nicht scheut oder gar einen Trolley für den Transport nutzt, hat man ein derart stabiles Grundgerüst für seine Ausrüstung, dass es kaum zu überbieten ist.    

Stative aller Art haben ihre Berechtigung und jeder muss für sich entscheiden, welche Vor- und Nachteile den für ihn besten Kompromiss bilden. Für mich kann ich sagen, dass ich die hier vorgestellten Holzstative gerne im Einsatz habe. Sie haben mir zu mancher schönen Aufnahme verholfen.    

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leser: Immer gut Stand!


Jan Bleil
August 2010

 


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